Impressionen aus Unterlüß im Naturpark Südheide
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Ein begeisternder „Spanischer Abend“ im Albert-König-Museum

Maurische Hühnchenspieße, karamellisierte Zwiebeln, Datteln im Speckmantel und Artischockenchips, dazu ein funkelnder andalusischer Rotwein – doch der seit Wochen ausverkaufte „Spanische Abend“ in der rot-gelb geschmückten großen Ausstellungshalle des Albert-König-Museums verwöhnte nicht nur die Gaumen des begeisterten Publikums: Die Gitarrenvirtuosen Kai Thomsen und Christos Mamalitsidis sowie die Flamenco-Tänzerinnen Nadine Campbell und Andrea Marquardt sorgten für eine funkensprühende Fiesta sinnlich lodernder Leidenschaft und flammend knisternder Erotik.

Das Auf und Ab der Spannungsbögen nahm dem Publikum fast den Atem. Mit variablen Farben und Stimmungen, zart gesprenkelten Sehnsüchten und dunkel glühenden Augenaufschlägen trieb das Quartett dem Flamenco die Trauer aus, ohne ihm die Melancholie zu nehmen. Und mit der emotionalen Expressivität des Flamencos eröffnete sich dem Publikum auch dessen enorme Stilbreite – vom schwermütig-dramatischen Cante Jondo über die regional gefärbten Bulerias, Alegrias und Sevillanas bis zum leichten Cante chico. Langsam und verhalten bauten Kai Thomsen und Christos Mamalitsidis die jeweilige Melodie auf, eine sich kontinuierlich verstärkende Spannung, eine Eruption, die sich schließlich mit unverhohlener Leidenschaft in einer rasanten Tempobeschleunigung entlud. Makellos in Fingersatz- und Zupftechnik gestalteten sich die virtuosen Spieltechniken der Flamenco-Gitarristen vom triolischen Daumenschlag „Alzapua“ über die arpeggierten „Falsetas“ bis zum rasenden Saitenwirbel des „Rasgueado“. Der Schnelligkeit ihrer Läufe konnten die Augen nicht mehr folgen, aber ihre Präzision könnte man hören. So mühelos, so aberwitzig rasant und dabei so präzise, so perfekt und doch lebendig spielen zu können, grenzt an Saitenzauberei, erst recht auf einer akustischen Gitarre, deren Saiten ja viel träger reagieren als die einer elektrischen.

In diesem virtuosen Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, zwischen Stille und dem treibenden Staccato des Flamenco verschmolzen die Bewegungen der Tänzerinnen mit den Klängen der Gitarren zu einer sinnlichen Einheit wie die durstigen Lippen eines verliebten Paares. Zunächst ruhig, gesammelt und hochkonzentriert in Ausdruck und Schritten, dann geradezu aufpeitschend und wie entfesselt drückten die buchstäblich reizenden Damen in ihren wunderbar fließenden Stoffen alle Facetten des Flamencos aus – mal elegisch und schmerzlich, mal feurig und sinnlich. Flutend, stockend, dann im Überschwang entfaltete sich ihre Energie in einen mitreißend rhythmischen Wasserfall, in welchem sie mit flatternden Händen, geschmeidigen Armbewegungen und freiem Hüftschwung ihren ausgeprägten Formwillen zum Ausdruck brachten. Jede Geste, jede Bewegung zwischen klappernden Kastagnetten und lockendem Fächertanz war pure Emotion. Einmal orientierten sie sich mehr an der Tradition, wenn etwa Nadine Campbell im flammend roten Kleid ebenso hingebungsvoll wie anmutig den Flamenco-Rhythmus verkörperte oder einem imaginären Verehrer mit dem Fächer ihre Sehnsüchte offenbarte. Dann wieder schöpften sie die Ausdruckspalette des Flamenco sehr frei aus, etwa als Andrea Marquardt im schwarzweißen Kleid mit einer langen Rüschenschleppe tanzend sich verführerisch mit einem Fransentuch verhüllte, um es am Ende von sich zu werfen und damit im wahrsten Wortsinn ihre Weiblichkeit zu entfesseln.

Am Ende wurden die hellauf begeisterten Gäste noch interaktiv mit eingebunden. Christos Mamalitsidis bat alle auf die Tanzfläche und intonierte dann mit dem überraschend eingeflochtenen Sirtaki „Alexis Sorbas“ gewissermaßen den Flamenco seiner griechischen Heimat. Und schließlich enthüllte Kai Thomsen bei einem „Mitmach-Flamenco“ noch die Geheimnisse des charakteristischen 12er Klatsch-Rhythmus‘ dieses Tanzes und ließ – sich selbst unterbrechend – den ganzen Saal lustvoll jammernd in die für den Flamenco typische Klagesilbe „Ay“ einstimmen. Eine überaus stimmungsgeladene und rundum gelungene Veranstaltung. Der ungemein romantische Abend entließ das gut gelaunte Publikum mit dem Gefühl des Morgens danach: mit sanft auf der Haut prickelnden Erinnerungen.

Rolf-Dieter Diehl


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